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25 Jahre XERION
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Ein Traktor als Gestaltenwandler.

25 Jahre XERION

Die Geschichte des XERION in 12 Verwandlungen.

Ein Traktor als Gestaltenwandler: Der XERION sollte von Beginn an mehr als ein normaler Ackerschlepper sein. Mit seinen vier gleich großen RĂ€dern, dem stufenlosen Getriebe, seiner hohen Motorleistung und vielen anderen besonderen Eigenschaften eignet er sich als TrĂ€gerfahrzeug fĂŒr die unterschiedlichsten Anwendungen.

 

Der XERION wird dementsprechend seit seinem Marktgang vor 25 Jahren – außer fĂŒr Standardfunktionen wie Bodenbearbeitung und Aussaat â€“ fĂŒr eine Vielzahl an Aufgaben eingesetzt, deutlich mehr als ursprĂŒnglich angedacht. Höchste Zeit fĂŒr eine Geschichte des Systemtraktors in 12 (beispielhaften) Verwandlungen:

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1. Die Vision

Ein TrĂ€gerfahrzeug zu bauen, das sich fĂŒr verschiedenste Arbeiten im landwirtschaftlichen Betrieb einsetzen lĂ€sst – das war die Vision, die Helmut Claas ĂŒber viele Jahre verfolgte.  Es dauerte fast 20 Jahre, bis 1997 endlich die erste Generation des XERION auf den Markt kam. Der Systemtraktor hatte nicht nur ein stufenloses Getriebe und vier gleich große RĂ€der – dank seiner vier An- und AufbaurĂ€ume und einer Vielzahl von Aufbauten konnte die Maschine etwa in einen HĂ€cksler oder in einen MĂ€hdrescher verwandelt werden.

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2. Der Kabinendreher

Eine weitere Besonderheit des XERION ist seine drehbare Kabine. Diese Eigenschaft macht das Fahren rĂŒckwĂ€rts fĂŒr spezielle Anwendungen deutlich komfortabler. Denn wĂ€hrend sich bei normalen Traktoren hĂ€ufig nur der Sitz drehen lĂ€sst, dreht sich beim XERION das komplette Fahrerhaus. So wird auf Knopfdruck RĂŒckwĂ€rts zu VorwĂ€rts – und umgekehrt.

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3. Der RĂŒbenroder

Einige der frĂŒhen KĂ€ufer der ersten Generation des XERION setzten ihn zum Ernten von ZuckerrĂŒben ein. Mit einem speziellen Aufbau der Firma Holmer verwandelte sich der Systemtraktor nĂ€mlich in einen selbstfahrenden RĂŒben-Roder.   Obwohl der Umbau sehr gut funktionierte, setzte er sich auf Dauer nicht durch. Die rasante Entwicklung in der Landtechnik ließ selbstfahrende ZuckerrĂŒbenroder so groß werden, dass sie nicht mehr von einem TrĂ€gerfahrzeug mit Aufbau ersetzt werden konnten. Aber der Beweis war erbracht: Ein Systemtraktor kann eine echte Alternative zu einer Erntemaschine sein.

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4. Der Tagebau-Transformer

Ab 2003 kam die zweite Generation des Systemtraktors auf den Markt. Mit bis zu 380 PS war der XERION 3800/3300 besonders leistungsstark. Das machte ihn schon bald zu einem beliebten Fahrzeug fĂŒr Spezialanwendungen. So kann sich der Systemtraktor mit den entsprechenden Aufbauten zum Beispiel zu einem Helfer im Tagebau verwandeln und wird dort zum Verlegen und Warten von EntwĂ€sserungsrohren und BrunnenschĂ€chten genutzt. DafĂŒr eignet sich der XERION besonders gut, da er dank seines Vollrahmens mit Dutzenden Tonnen Gewicht beladen werden kann. Zudem hat seine Hydraulik genug Kraft zum Antrieb eines Krans, mit dem die schweren Rohre gehoben werden.

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5. Die SĂ€maschine

Zu den großen Talenten des XERION 3800/3300 gehört die Aussaat. Aufgrund seines Vollrahmens lassen sich auf dem Systemtraktor deutlich grĂ¶ĂŸere SaatgutbehĂ€lter aufbauen als auf normalen SĂ€maschinen.  So schaffen die Fahrerinnen und Fahrer in einer Schicht mehr FlĂ€che pro Tag, da sie seltener anhalten mĂŒssen, um neues Saatgut aufzuladen. Dabei schont der XERION den Boden, da sich seine Last auf die vier gleich großen RĂ€der verteilt.

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6. Der Brennstoff-Ernter

Pappeln und Weiden: Diese BĂ€ume waren eine Zeitlang als alternative Energiequellen beliebt, da sie schnell nachwachsen. Zudem galten sie als CO2-neutral, da beim Verbrennen nur so viel Kohlenstoffdioxid entsteht, wie sie im Laufe ihres Lebens gebunden haben.   Zur Ernte der Gehölze wurde hĂ€ufig der XERION verwendet. Das hohe Drehmoment des Motors und die Leistung der Zapfwelle eignen sich ideal zum HĂ€ckseln. Langfristig setzte sich das Einsatzgebiet aber nicht durch. Der Grund: In den vergangenen Jahren verdrĂ€ngten Pellets nach und nach Pappeln, Weiden und Co. als Brennstoffe.    

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7. Der Holz-Held

Holzhacken und ForstfrĂ€sen sind zwei weitere Spezialgebiete des XERION. Dem Flaggschiff der CLAAS Traktoren kommen beim Hacken und FrĂ€sen von Holz insbesondere die hohen KrĂ€fte an der Zapfwelle und die hydraulische Leistung zugute, zum Beispiel fĂŒr den Antrieb  und die Steuerung des Greifers. Beim ForstfrĂ€sen ist es wichtig, Ă€ußerst langsam und prĂ€zise fahren zu können, rĂŒckwĂ€rts wie vorwĂ€rts. Mit seiner hohen Motorleistung, dem stufenlosen Getriebe und der drehbaren Kabine ist der XERION dafĂŒr bestens ausgestattet, vor allem die Generation 5000/4500 mit mehr als 500 PS. Beim Antrieb der FrĂ€se im Dickicht hilft dem Traktor sein hoher Wirkungsgrad an der Zapfwelle.

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8. Der Hanfernter

Ob als Arzneimittel oder Verbundstoff in der Autoindustrie – Hanf steckt in vielen unterschiedlichen Produkten. Die Ernte der Nutzpflanze ist allerdings kompliziert: Hanfernter mĂŒssen BlĂ€tter abtrennen, Stengel schneiden, pressen und hĂ€ckseln. Aufgrund der KomplexitĂ€t dieses Vorgangs sind die Maschinen besonders groß.  Mit den entsprechenden Aufbauten kann der XERION diese Aufgabe ĂŒbernehmen. Mit seinem Vollrahmen und der hohen hydraulischen Antriebsleistung verfĂŒgt er ĂŒber die nötige Kraft dafĂŒr.

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9. Der Silomeister

Eine der populĂ€rsten Anwendungen des XERION ist der Siloeinsatz. Seine drehbare Kabine erlaubt eine optimale Sicht auf das Arbeitsumfeld. Sein hohes Eigengewicht hilft bei der Verdichtung des Silos. Und mit seinem spurversetzten Hundegang kann der Systemtraktor in einer Fahrt doppelt so viel FlĂ€che walzen. Durch sein hohes Drehmoment bei niedriger Motordrehzahl verbraucht er verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig wenig Kraftstoff. Und bringt dennoch eine beachtliche Schubleistung auf, die es Fahrerinnen und Fahrern ermöglicht, besonders breite Schiebeschilder anzubringen – um noch mehr Material vor sich herzuschieben.  

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10. Der Substratausbringer

Der XERION brilliert auch bei der Substratausbringung. In seiner Variante als TRAC oder SADDLE TRAC kann er besonders große und schwere FĂ€sser ziehen. Mithilfe seines Hundegangs bleibt er dabei bodenschonend. Seine einmalige SchwanenhalsanhĂ€ngung sorgt dafĂŒr, dass die Last des Fasses zwischen den beiden Achsen und nicht – wie bei anderen Maschinen – nur auf der Hinterachse des Fahrzeugs zum Tragen kommt. Gleichzeitig wird das Gespann durch die Vorrichtung kĂŒrzer und bleibt sehr wendig. 

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11. Die SchneefrÀse

Der Schnee liegt meterhoch und versperrt die Straßen? Ein Fall fĂŒr den XERION. Zum Antrieb einer SchneefrĂ€se eignet er sich aufgrund der Leistung seiner Zapfwelle gut. Sein hohes Drehmoment bei niedrigen Drehzahlen macht ihn auch bei dieser Anwendung besonders effizient.  

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12. Das Multitalent

Ob zum SchneerĂ€umen, zum Kehren, fĂŒr Streuarbeiten oder zum Transportieren von Lasten: Der XERION wird auch auf FlughĂ€fen eingesetzt.  Ein echtes Multitalent eben. In welche Maschinen sich der XERION wohl in Zukunft verwandeln wird?  

Das war ein langer Weg.

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Tomislav Novoselac

CLAAS Archivar und Firmenhistoriker

Nach fast 20 Jahren Entwicklung erschien 1997 die erste XERION Generation. Warum es so lange bis zur Marktreife dauerte und welche Kerneigenschaften das Systemtraktors sich bis heute nicht verĂ€ndert haben – das erklĂ€rt CLAAS Archivar und Firmenhistoriker Tomislav Novoselac im Interview.


Wie kam es dazu, dass der Erntespezialist CLAAS auf einmal einen Traktor bauen wollte?

Da kamen viele Faktoren zusammen. ZunĂ€chst einmal ist der Traktor die wichtigste Maschine in der Landwirtschaft, weil sie die Basis fĂŒr viele TĂ€tigkeiten bildet – von der Bodenbearbeitung ĂŒber die Aussaat bis hin zu Arbeiten rund um den Hof. Deswegen war es fĂŒr CLAAS reizvoll, einen eigenen Traktor anbieten zu können. In den Neunzigerjahren kamen außerdem wirtschaftliche Notwendigkeiten hinzu, da sich die HĂ€ndlernetze zunehmend auf Anbieter mit Vollsortimenten ausrichteten. Landmaschinenhersteller ohne Traktor hatten es in diesem Umfeld schwer. Und nicht zuletzt war es fĂŒr August Claas und seinen Sohn Helmut Claas ein Herzensprojekt, einen eigenen Traktor anbieten zu können. Und das haben sie ĂŒber Jahrzehnte hinweg verfolgt.
 

Warum war das Projekt fĂŒr die beiden so wichtig?

Insbesondere Helmut Claas war fest davon ĂŒberzeugt, dass ein multifunktionaler Traktor die Landwirtschaft ökonomischer machen könnte. Denn das teuerste Bauteil einer Landmaschine ist der Fahrantrieb. Seine Überlegung: Wenn man einen Ackerschlepper nutzen könnte, um mit Aufbauten ganz unterschiedliche Aufgaben zu erfĂŒllen, wĂ€re das sehr effizient. Gleichzeitig war ein so vielseitiger und gleichzeitig leistungsstarker Traktor mit ĂŒber 200 PS als Konzept so ungewöhnlich, dass man sich auf dem Traktorenmarkt damit von der Konkurrenz abheben konnte.
 

Welche VorgÀnger hatte der XERION?

Der HUCKEPACK, der 1957 auf den Markt kam, war gewissermaßen der Urahne des XERION. Das Fahrzeug war ein GerĂ€tetrĂ€ger, den man fĂŒr viele Aufgaben wie Bodenbearbeitung, Aussaat und sogar MĂ€hen einsetzen konnte. Das Einzigartige war, dass man den HUCKEPACK zu einem MĂ€hdrescher umbauen konnte. Allerdings hat sich das GerĂ€t aufgrund technischer Schwierigkeiten nur bis 1960 gehalten. Der nĂ€chste Schritt war der HSG, die Kurzform fĂŒr Hydrostatisches Getriebe. Das war ein Prototyp, an dem man bei CLAAS zwischen 1968 und 1972 gearbeitet hat, um das namensgebende Getriebe zu testen. Dabei handelte es sich ebenfalls um ein Mehrzweckfahrzeug mit vier gleich großen RĂ€dern. 1978 startete dann das Projekt 207, aus dem spĂ€ter der XERION wurde.

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Das war ein langer Weg.

Bis der XERION erschien, dauerte es dann aber noch fast 20 Jahre.

Ja, das war ein langer Weg. Denn fĂŒr Helmut Claas war es ein Muss, dass der Traktor seines Unternehmens – im Gegensatz zu denen der Konkurrenz – ein stufenloses Getriebe haben sollte, um mehr Komfort bei der Feldarbeit zu bieten. In dieser Zeit war das eine absolute Neuheit. Die Suche nach einem passenden Anbieter gestaltete sich dementsprechend schwierig. Schließlich haben die Ingenieure und Ingenieurinnen von CLAAS mehrere stufenlose Getriebe getestet und sogar selbst entwickelt, bis sie dann Mitte der Neunziger eine Lösung gefunden hatten und der XERION erscheinen konnte.  
 

Wie kam die erste Generation des XERION bei den Landwirtinnen und Landwirten an?

Bei den ausgewĂ€hlten Kundinnen und Kunden, die den XERION als Erste ausprobieren konnten, kam er gut an. Allerdings hatte die erste Generation noch ein paar SchwĂ€chen. Es war zwischenzeitlich mehr Motorleistung gefragt und das stufenlose Getriebe arbeitete nicht so, wie man es sich wĂŒnschte. Deshalb wurde in der zweiten Generation, beim XERION 3300 und 3800, ein Getriebe von ZF verbaut. Diese Modelle wurden nach 2003 zusammen mit den neuen Standardtraktoren eingefĂŒhrt. Seitdem hat sich der XERION zu einer wirklich sehr beliebten Maschine entwickelt.  
 

Der XERION hat eine große Fangemeinde und stĂ¶ĂŸt auf viel Interesse in der Branche. War das von Anfang so?

Nein. Die PopularitĂ€t kam erst nach und nach, als sich herausstellte, fĂŒr wie viele TĂ€tigkeiten man den XERION einsetzen kann. Hinzu kamen die enorme GrĂ¶ĂŸe und LeistungsstĂ€rke der Maschine. Diese Kombination aus Kraft und Vielseitigkeit fasziniert viele Menschen bis heute sehr.  
 

Wie hat sich der XERION in den vergangenen 25 Jahren entwickelt?

Die Leistung hat sich deutlich erhöht und heute wird viel mehr Elektronik verbaut. Gleichzeitig haben sich die Anwendungsgebiete verlagert. UrsprĂŒnglich war der XERION zum Beispiel auch als ZuckerrĂŒbenroder angedacht, das hat sich aber nicht durchgesetzt. DafĂŒr ist der XERION heute fĂŒr Anwendungen wie die Substratausbringung und den Siloeinsatz sehr populĂ€r.
 

Sind die alten Werte des XERION denn erhalten geblieben?

Ja, das kann man sagen. Eigentlich sind alle drei Kerneigenschaften des XERION noch vorhanden. Er ist heute sogar noch vielseitiger, als ursprĂŒnglich geplant, und wird fĂŒr die unterschiedlichsten Anwendungen eingesetzt, vom Schneeschieben und -frĂ€sen bis zum Holzhacken. Zudem hat der XERION immer noch ein stufenloses Getriebe und er ist ein vollwertiger Großtraktor geblieben, der auch klassische Aufgaben wie PflĂŒgen und Grubbern beherrscht.
 

Was glauben Sie, in welche Richtung sich der XERION in Zukunft entwickeln wird?

Die Leistung wird voraussichtlich steigen. Das Thema Bodenschonung wird noch wichtiger werden. Ich kann mir zum Beispiel gut vorstellen, dass es in Zukunft noch mehr Raupenlaufwerke fĂŒr den Systemtraktor geben wird. DarĂŒber hinaus könnten auch digitale Assistenzsysteme eine grĂ¶ĂŸere Rolle spielen und es könnten neue Anwendungsgebiete hinzukommen. Die KernstĂ€rken des XERION, seine Vielseitigkeit und seine EffektivitĂ€t, werden aber sicher erhalten bleiben.